Fit für den Beruf

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In einem Klassenzimmer sitzt der 16-Jährige Christian Müller gegenüber, dem Ausbildungsleiter der Firma Zecha. Mit ihm führt der Schüler das erste richtige Bewerbungsgespräch seines Lebens. „Ich war gar nicht so angespannt, wie ich dachte“, sagt Jan hinterher. Das könnte auch daran liegen, dass der 16-Jährige sich auf das Planspiel und den Kontakt mit den Firmenvertretern gut vorbereitet hatte: Er brachte seine Bewerbungsmappe in Ordnung, überlegte sich mögliche Antworten und zog sich schicke Kleidung an. Das Gespräch mit Christian Müller sei eine gute Vorbereitung gewesen, sagt Jan. Schließlich weiß der erfahrene Ausbildungsleiter genau, worauf Firmen bei ihren Bewerbern Wert legen. „Beim Vorstellungsgespräch kommt es darauf an, wie man sich verkauft“, erklärt Müller. Glaubwürdig müsse man wirken und seinem Gegenüber vermitteln, dass man die Stelle unbedingt haben will. „Wenn ich jemanden einstelle, dann möchte ich sicher sein, dass er die Ausbildung durchhält und auch danach beim Unternehmen bleibt.“ Tipps wie diese seien für die Schüler Gold wert, sagt Tanja Hennefarth.

Hinzukommt: Das Vorstellungsgespräch mal geübt zu haben, nehme vielen die Angst. Die Fördervereins-Vorsitzende ist überzeugt: Das Planspiel bringt den Schülern viel. Allein im vergangenen Jahr seien durch die Veranstaltung zwei Ausbildungsplätze vermittelt worden. Auch von den Unternehmen seien die Rückmeldungen überwiegend positiv, sagt Hennefarth. „Die meisten Schüler sind motiviert bei der Sache.“ Auch Benjamin, der nach der Realschule auf jeden Fall das Abitur und eine Ausbildung machen will. Ohne Fehler hat der 15-Jährige den Englisch-Test bei den Lehrerinnen Jouana Pfrommer und Rahel Klopfer bestanden. Gute Englischkenntnisse seien heutzutage wichtig, erklären die beiden Lehrerinnen. Nicht nur, wenn man ein Praktikum oder eine Au-Pair-Stelle im Ausland antreten will, sondern auch, wenn man sich bei Unternehmen bewirbt, die weltweit tätig sind. Gute Alltagskenntnisse sind aber mindestens genauso nützlich. Deshalb können die Schüler bei Reinhilde Müller und ihren Kolleginnen ein Stockwerk tiefer ihre Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen, indem sie Klamotten fürs Waschen sortieren, Knöpfe annähen und Kartoffeln schälen. Und bei Christine Schuber erfahren sie, was man zum Bewerbungsgespräch anzieht: als Junge am besten Hemd und Lederschuhe, keine Hoodies, keine Signalfarben, keine T-Shirts. „Die müssen Euch angucken, nicht Eure Klamotten.“

Gelegenheiten, sich bewerben, gibt es schließlich viele. Selina Stifel von der Arbeitsagentur berichtet von vielen offenen Stellen, unter anderem in der metallverarbeitenden Industrie und im kaufmännischen Bereich. Wichtig sei aber, dass die Bewerber die Anforderungen erfüllen könnten. Die Berufsberaterin weiß: Eine Ausbildung bietet viele Vorteile, gerade für praktisch veranlagte Jugendliche. Sie sei eine genau so gute Qualifizierung wie der Besuch einer weiterführenden Schule. Zumal nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung in vielen Bereichen ein Studium an der Fachhochschule immer noch möglich ist. – Text und Fotos: Nico Roller
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